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20. April 2014

Kulturschock Shanghai

Selten fällt man irgendwo mehr auf, dass man nicht von "hier" ist wie in Asien. Und dass wir fremd sind, bekamen wir zu spüren. Regelrecht angegafft wurden wir, wie tanzende Zirkusäffchen mit kleinen passenden Hütchen. Wir befanden uns in der zweitgrößten Stadt der Welt - und wurden angestarrt. Als wären Touristen dort etwas völlig ungewöhnliches. Dabei ist es eigentlich so voll, dass man in der Masse untergehen könnte. Trotzdem fielen wir auf. Zugegebenermaßen waren noch nicht allzu viele Touristen unterwegs. Was aber auch an der Uhrzeit gelegen haben könnte. Schließlich war es früh am Morgen als wir den Flughafen verließen. Grimmige Grenzpolizisten, die mehr als ein unfreundliches "Passport!" nicht über die Lippen bekamen, stempelten unsere Pässe ab und bahnten uns den Weg ins Freie.

Alles wirkte fremd, angefangen bei der Aufschrift auf den Schildern, die uns wenig als Orientierung dienen sollten. Wir vertrauten auf unser Bauchgefühl bei der Wahl der Bahn. Stiegen einfach mal aus, wo wir dachten, dass es etwas zu sehen gäbe. Viel sehen konnte man allerdings nicht. Es war diesig, der Smog beschränkte die Sicht enorm. Die Spitzen der zahlreichen Wolkenkratzer verschwanden im Nebel. Planlos liefen wir umher, suchten das Wahrzeichen Shanghais: den merkwürdig aussehenden Fernsehturm. Die Skyline suchend, ich wollte unbedingt ein Foto von der Skyline machen, irrten wir fast eine Stunde umher, überwältigt von Menschenmengen und dem verrückten Verkehr bis ich in der Ferne ganz blass die Spitze des Turms erkannte. Also liefen wir in Richtung Turm. Wir liefen eine ganze Weile, klarer wurde der Turm allerdings nicht. Die Straßen dafür enger, die Gebäude kleiner und schmutziger. Die Oberleitungen erinnerten mich an Bangkok. Lieblos zusammengebundene Kabelstränge hängen dort gefährlich nah an Bäumen oder der nach draußen gehängten Wäsche der Anwohner. Darüber musste ich etwas lachen. In einer Stadt so dreckig und mit einer Luft so verhangen vom Smog wie Shanghai, hängen die Anwohner ihre Wäschen zum Trocknen raus. Überall hörte man es husten und krächtzen. Überall wurde auf die Straße gerotzt. Für mich verwöhnte Göre war das wirklich eine Zumutung. Aber so ist das eben mit den fremden Kulturen und anderen Sitten. Meine Mama hätte mir rechts und links was hinter die Löffel gegeben, würde ich meine Körperflüssigkeiten so unbedacht in der Gegend zu verteilen. Dort scheint das aber Gang und Gebe zu sein und auf dem Rückflug sechs Wochen später hatte ich mich fast daran gewöhnt.
  
Übermüdet wie wir waren, beeindruckte uns die Stadt allerdings eher weniger. Viel mehr überforderten die Lautstärke, die schlechte Luft, der Schlafmangel und vor allem die fremde Kultur uns ganz schön. Nachdem wir eine Weile am Wasser saßen und vorbeiziehende Menschen beobachteten, gaben wir uns der Stadt geschlagen und machten uns auf den Weg zurück zum Flughafen. Dort schliefen wir sage und schreibe knappe sechs Stunden zusammengerollt auf den Sitzen im Check-in Bereich, um die Zeit totzuschlagen, die wir eigentlich in der Stadt verbringen wollten bis unserer Anschlussflug ging. Allzu viele Tipps kann ich also nicht geben, was man sich ansehen sollte. Von Vorteil wäre es allerdings, wenn man ein wenig Chinesisch spricht. Weder das Personal am Flughafen noch die Flugbegleiterinnen waren so wirklich in der Lage mit uns auf Englisch zu kommunizieren, was nicht unbedingt dazu beitrug, dass wir uns wohler fühlten. 

Wer mehr von Shanghai sehen oder hören will, der sollte definitiv mal bei Toko oder Eileen vorbeischauen, die beiden touren nämlich gerade durch China. Und finden es dort auch um einiges toller als ich. 

1 Kommentar:

  1. trotzdem es dir wohl nicht so gefallen hat: ich hab deinen Bericht sehr gerne gelesen. =)

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