Pages

12. September 2013

Berlin Festival 2013

Foto: Jens Quasten
Himmelhoch jauchzend herbeigesehnt, in sonniger Mittelmäßigkeit zelebriert und dennoch ein fabelhaftes Wochenenede verlebt, das eher den Mitmenschen zu zuschreiben ist, als dem ganzen Trubel drumherum. Aber lest selbst.

Nach einer laaaaangen Fahrt, einer noch längeren Suche nach einem Parkplatz, der selten einfach zu beantwortenden "Was zieh ich nur an?!"-Frage und zwei Versuchen etwas Essbares zu finden, haben wir es dann doch in den Magnet geschafft. Leider zu spät für sämtliche Auftritte, aber früh genug, um die Scharen Minderjähriger zu bestaunen, die ihren Heimweg antraten, als wir dort aufschlugen. Wer viel erwartet, wird bitter enttäuscht - wer kennt es nicht? So auch wir. Die Party blieb eher durch erschlagende Langeweile als durch wilde Momente in Erinnerung. Musikalisch gesehen war wohl mehr Talent auf der Tanzfläche als hinter den Decks. Schade eigentlich.

Die frühe Einsicht, dass man sich die Party nicht mal mit übermäßigen Alkoholmissbrauch noch schön trinken kann, bescherte uns ein außerordentlich entspanntes Aufstehen und Frühstücken. Aus der geplanten Katerpizza machten wir einfach eine Frühstückspizza und stärkten uns für den anstehenden Tag. Festivals sind schließlich anstrengend und erfodern eine gesunde und ausgewogene Ernährung, um bis spät in die Nacht tanzen zu können. Und das hatten wir vor. Auf dem Plan standen unter anderem Bastille, Villagers, Mia. und Left Boy. Dass meine Pläne selten funktionieren, bewies allerdings auch dieses Wochenende wieder hervorragend.

Bastille verpasst, Ok Kid ermüdend, Capital Cities schon im Radio uninteressant. Aber immerhin war das Wetter fabelhaft. Musikalisch wurde es erst spätnachmittags wieder interessant mit The Sounds und den Villagers. Dachten wir. Das spannendste am Auftritt von The Sounds war die Tatsache, dass Frontfrau Maja Ivarsson selten so bekleidet gesehen wurde, es aber dennoch schaffte ihren Rock zusehends höher rutschen zu lassen. Respekt aber an dieser Stelle für ihre Highheels-Skills.
Weiter ging es dann vor der kleinsten Bühne, wo die Villagers spielten. Was habe ich mich auf diese Band gefreut! Und wie enttäuscht ich war, als Sänger Conor J. O'Brien sich als unausstehlicher, aufgeblasener Schnösel herausstellte und absolut gar nicht so niedlich und sympathisch ist wie in diesem einen Video. Wir blieben exakt so lange, bis die letzten Töne von 'Becoming a Jackal' verklungen waren und marschierten dann zurück zur Mainstage und tanzten lieber etwas zu Mia. Von da an wechselten wir Bühnen und Genres im Stundentakt. Von Get Well Soon mit Support von der zauberhaften Dear Reader Sängerin zum Dumme Jungs Set, das herzlich zum Tanzen einlud und letztendlich der Left Boy Auftritt, der uns die letzten Kräfte des Tages raubte, denn still stehen ging keinesfalls. Fanden wir. Darüber kann man nun streiten. Tun wir aber nicht, sondern drehen die Musik nochmal lauter, machen kurz die Augen zu und nicken nochmal mit. 



Am Samstag waren wir durch unser frühes zu Bett gehen taufrisch und bereit es krachen zu lassen. Auf einem vierzehnten Geburtstag vor der Mainstage zu Hoodie Allen beispielsweise - oder wie Laura ihn liebevoll taufte: Crewneck Allen. Es war ein Fest. Fanden die Girls um uns herum auch. Das Gegenteil muss ich aber leider zu den Orsons sagen, das war kein Fest. Das war nichts, außer vielleicht langweilig. Irgendwie damals cooler, wie man so schön sagt. Einzeln alle ganz nett, aber im Kollektiv einfach nicht meins. Danach ging es allerdings mit Ellie Goulding weiter, die man nur gut finden konnte. Gänsehaut bei 30°C. Falls sie in naher Zukunft eine Club Tour spielen sollte, geht hin. Kommt sicher noch besser als auf so einer großen Bühne auf der sie zugegebenermaßen schon ein bisschen verloren wirkte. Verloren wirkte auch später Casper für eine Sekunde, als er seinen Text durcheinanderbrachte. Zwei neue Songs, fliegende Kleidungsstücke und die totale Eskalation auf der Bühne zum Tourabschluss beobachteten wir aus der Ferne mit einem müden Gähnen. Da sah ich bessere Shows. Damals.

Unschlagbar war dafür der Auftritt von Turbostaat. Dass ich tatsächlich mitklatsche, das schafft niemand so schnell. Aber es war einfach so unfassbar gut, dass ich mich selbst kaum bremsen konnte. "Endlich richtige Musik!", war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss. Mit einem Bier rechts, einer Zigarette links und geschlossenen Augen sangen wir aus vollem Halse mit. Gänsehaut-Moment Nummer zwei am vergangenen Wochenende. Und zugleich der perfekte Abschluss des Berlin Festivals, dass wir bei zwei Bier zu viel mit jeder Menge Spaß ausklingen ließen.


Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Berlin Festival eine echt nette Sache ist. Wenn man in Berlin wohnt. Und umsonst reinkommt. Aber, wenn ich ehrlich bin, dann mag ich schmutzige Klamotten und Rückenschmerzen nach Festivals. Richtig Festival-Stimmung kommt auf dem Tempelhofer Flughafen nämlich nicht auf. So eindrucksvoll die Kulisse auch ist, so sehr fehlt mir das richtige Festival-Gefühl. Was mir allerdings nicht fehlten, waren die Alkohol-Touristen, die Helga schreiend über das Gelände liefen. Danke dafür, Berlin Festival!

Mehr vom Berlin Festival gibts übrigens bei auch Laura und Ama

Kommentare:

  1. Ich bin neidisch! :D Ich hoffe ich werde zum Turbostaat Konzi im Oktober gehen können.
    Und ich glaube ich werd mir das Berlin Festival mal für nächstes Jahr vormerken. :)
    Liebe Grüßchen,
    Nina

    AntwortenLöschen