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29. März 2013

Trennungsschmerz

Trennungen sind scheiße. Da macht es auch überhaupt keinen Unterschied, wie kurz oder lang, intensiv oder dahin plätschernd die Liebeskiste war. Ganz gleich, ob Bekanntschaft, Affäre oder Beziehung. Denn alles was irgendwie mit Gefühlen zu tun hat und irgendwann ein Ende nimmt, ist scheiße. Ganz einfach.

Die Trennung von einer Person bringt allerdings zwangsläufig auch noch weitere Trennungen mit sich. Bestenfalls fand man Freunde oder Eltern eh blöd und kann dies nun endlich offen zugeben. Meist ist es aber eher das Gegenteil und man muss auch Abschied von liebgewonnenen, neuen Freunden nehmen. Man ist ja schließlich loyal und findet den Verflossenen mindestens genauso scheiße, wie die verlassene Freundin. Gemütliche Abende bei Bier und Pizza sind passé, zukünftige Treffen oft merkwürdig und angespannt.


Aber das ist noch nicht alles. Die gemütliche Bar, in der man freitags gern rumhing, das Café um die Ecke für den morgendlichen Kaffee und die Frittenbude für verkaterte Sonntage sind Sperrgebiet. Es schmeckt alles nicht mehr, denn salzige Tränen und Verbitterung verderben jedes noch so kalte Bier oder gute koffeinhaltige Heißgetränk. Auch eine Extraportion Mayo auf den Pommes rettet dann meist nichts mehr.

Sich zuhause einschließen geht aber auch erst nachdem die Bettwäsche getauscht, Fotos abhängt, Zahnbürsten entsorgt und Klamotten zurückgeben wurden. Aber was dann? Im Bett oder in der Wanne liegen und die Decke anstarren? Nicht ohne musikalische Untermalung! Und da kommt das eigentliche Problem. Mein größtes, möchte ich meinen. Das, wo ich wirklich keinen Spaß verstehe. Teile ich mein Sofa, mein Bett und sogar mein kleines Badezimmer, dann teile ich auch meine Musik. Teile meine große Liebe mit einer Kleinen.

Für mich kommt der schlimmste Teil einer Trennung erst dann, wenn ich die wunderbare Musik, die mich so schmerzlich an vergangene Glücksmomente erinnert, mit einem Klick aus dem Favoritenordner verschwinden lasse. Der letzte Plattenkauf ist noch nicht einmal geliefert worden, gedanklich aber schon längst zurückgeschickt. Ein kurzes Zusammenzucken, wenn im Büro mal wieder der achso bedeutungsschwere Song einer beispielsweise schottischen Band aus dem Radio tönt. Dass der Mensch, mit dem man eben diesen einen ganz besonderen Song verbindet, verschwindet, das passiert. Nicht nur einmal; mir auch gern häufiger. Dass man betrogen, belogen und/oder sitzengelassen wurde, das verkraftet man - irgendwann immer besser. Auch hier macht Übung ganz klar den Meister. Die Lücke, die die fehlende Musik hingegen hinterlässt, die schmerzt mehr. Viel mehr. 

Was da hilft, sind schlechte Teeniefilme mit sowieso viel attraktiveren männlichen Hauptdarstellern oder ebenso schlechte Popmusik. Gern in Verbindung. Und zwar so lange, bis die Bauchschmerzen verschwunden, die Ohren blutig und die Augen viereckig sind. Dann weiß man den guten alten Song wieder zu schätzen. Denn das ist das schöne an Musik; sie wartet treu im "Bloß nicht anhören!" Ordner bis man sie zurück will, kommt immer wieder. Liebeskisten nicht. Und das ist wohl das Beste an ihr.

Kommentare:

  1. Toll geschrieben. Und sehr wahr :) Ist echt ein Phänomen mit der Musik. Irgendwann hört man den Song wieder, weiß dirket noch mit was/wem man den verbunden hat, aber es tut halt nicht mehr weh. Die Zeit hilft halt doch manchmal ;)

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  2. SO, SO WAHR.

    unfassbar gut geschrieben btw.

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  3. Haha, wir sollten eine "Trennungs-Sammel-Kolumne" aufmachen XD Schön geschrieben :D Hatte durch einen Ex eine heute sehr geschätzte Band kennen und lieben gelernt und konnte sie dann auch lange nicht mehr hören. Aber nach einigem zeitlichen Abstand ging es wohl wieder - außerdem habe ich gelernt, dann auch das schöne in der alten Beziehung zu sehen. In gewisser Weise hat mir die Musik geholfen, meinen Groll (er hatte mich mit einer Freundin betrogen) komplett zu begraben :)

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    1. spitzen idee! ich hab noch mehr stoff auf lager, den ich mir liebend gern von der seele schreiben wuerde, haha.

      betrogen mit einer freundin? wow. respekt.
      das fehlt mir noch in meiner betrogen-werden sammlung.

      du hast recht, einige songs sind wunderbare pflaster fuers herz. die tummeln sich gerade in meiner playlist :)

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  4. "Ein kurzes Zusammenzucken, wenn im Büro mal wieder der achso bedeutungsschwere Song einer beispielsweise schottischen Band aus dem Radio tönt."
    Schreibst du zufällig über Biffy Clyro? :D Ich hatte vor einigen Jahren einen Freund, der mir total begeistert von der Band berichtet hatte und dafür gesorgt hatte, dass ich sie lieben lernte. Nach der Trennung hatte es auch ne Zeit lang gedauert, bis ich sie mir wieder anhören konnte...

    Auf jeden Fall ein toll geschriebener Text, mit dem ich mich so richtig identifizieren kann!

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    1. ja, es geht tatsaechlich um biffy clyro. grossartige band.
      vielen dank fuer das kompliment :)

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  5. Ja, ja und ja. So zu ziemlich allem.
    (Bloß schade, dass sich Biffy Clyro spätestens mit der neuen Platte vom Puzzle-Olymp geschossen haben.)

    Ach ja: <3

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