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26. Februar 2013

Vom Vermissen und vermissen lassen

Vermissen heißt laut Duden, dass man sich mit Bedauern bewusst ist, dass jemand oder etwas nicht mehr in der Nähe ist oder nicht mehr zur Verfügung steht und man dies als persönlichen Mangel empfindet. Vermissen kann man alles mögliche. Von simplen Dingen, wie gewisse Nahrungsmittel über Orte bis hin zu Personen. Verstorbene, Weggezogene, Verflossene. Alle auf ihre eigene Art und Weise. Manche von diesen Personen vermisst man, weil sie nicht mehr unter uns weilen. Andere, weil sie viel zu weit weg weilen. Andere, weil sie uns langweilten und uns erst bewusst wurde, was sie uns bedeuten, als sie schon lange weg waren.

Dass man etwas vermisst, merkt man meistens erst, (oft) zu spät. Dann ist da dieses unangenehme Gefühl in der Magengegend, das uns sagt, dass etwas fehlt. Die Macht der Gewohnheit will es oft so, dass wir Menschen und Umstände für selbstverständlich halten. Ist etwas aber erst einmal nicht mehr da, fehlt es uns plötzlich. Dann merken wir was für einen Einfluss diese Sache auf uns hatte. Das ist nicht nur bei Dingen so, sondern auch bei Menschen. Man kann sogar Menschen vermissen, die man jeden Tag sieht. Menschen, die plötzlich ein ganz anderer Mensch geworden zu sein scheinen. Über Nacht, ohne jegliche Vorwarnung.

Aber sich an etwas festzuklammern, dass nicht mehr da ist und vielleicht auch nie mehr da sein wird, macht auf Dauer nur unglücklich. Viel lieber sollten wir uns an die schönen Dinge zurückerinnern. Denn diese Ereignisse, die wir mit dieser Person verbinden, die müssen so schön gewesen sein, dass sie sich nachhaltig in unseren Köpfen festgesetzt haben. Und uns diese Person nun vermissen lassen.

Aber nur weil man jemanden vermisst, heißt das noch lange nicht, dass man diese Person auch wieder in seinem Leben haben kann. Oder will. Vermissen ist ein Prozess des Weitermachens. Vermissen ist quasi der Juckreiz bei kleinen Wunden, wenn diese zu verheilen beginnen. Es ist unangenehm, geht aber vorbei. Irgendwann. Der wichtigste Teil des Vermissens ist die Erkenntnis über die Tatsache, dass diese Person nicht mehr da ist, weil es eben so sein soll. Menschen sterben, ganz nüchtern betrachtet, jeden Tag. Menschen ändern sich, einige öfter als das Wetter im April. Das sind Dinge, die wir nicht ändern oder kontrollieren können. Wir müssen sie akzeptieren. So schwer es manchmal auch fallen mag, es gibt kein Wundermittel, dass uns das Vermissen erspart. Da müssen wir einfach durch. Und manchmal kann vermissen ja auch etwas schönes sein. Das Gefühl eine langvermisste Person endlich wieder in die Arme schließen zu können ist schließlich eins der Schönsten. Und überhaupt ohne das Schlechte, wäre das Schöne schließlich nicht so Schön.

Kommentare:

  1. Wunderschön geschrieben und so wahr, jedes einzelne Wort!

    Es ist traurig... Traurig wie oft sich Dinge in unserem Leben ändern und wie oft wir vermissen müssen. Aber es bringt uns voran, macht uns stärker und gehört einfach dazu.

    Danke für den tollen Text!

    Liebste Grüsse
    Melanie

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  2. Am schlimmsten ist es, wenn man Menschen vermisst, die nicht mehr da sind, weil sie sich verändert haben. Man will diesen alten Menschen zurück, aber es gibt ihn einfach nicht mehr - ich kann sowas leider nicht akzeptieren :/

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  3. sehr gut, sehr wahr!

    allerliebste grüße,
    HOLYKATTA

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  4. Wahre Worte. Ich finde deine Reiseposts übrigens toll :)

    LG
    Cotton Candy Stories

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  5. Wow.
    Danke.
    Das tat gut.

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