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24. November 2011

I'm so hipster even my heart is a triangle

Steigt man in Köln aus dem Zug, so schlägt das Hipsterbarometer direkt gegen plus unendlich aus. Egal wohin man schaut, ein Mensch ist hipper als der andere. Hip ist das neue Emo. Vorallem hier in Köln, der wohl zweithipsten Stadt Deutschlands nach Berlin.

So waren wir also gestern wieder auf einem dieser hippen abendlichen Treffen zum gemeinschaftlichen Alkoholkonsum. Vielleicht auch zur Partnersuche, klappt dort augenscheinlich hervorragend. Ich fand bereits die letzte dieser Parties langweilig und bin nach einer Stunde geflüchtet, dieses Mal aber bin ich aber geblieben und habe bei zunehmendem Bierkonsum auch zunehmend Abneigung gegen diese Art Veranstaltung entwickelt.

Betritt man nun die Bar, ein ehemaliger Puff - sehr hip, fühlt man sich schon von der Individualität erschlagen. Lethargisch, nie lächelnde Mädels und Jungs, die vor solchen hippen Abenden schnell die Kleiderschränke ihrer Großeltern plündern, tümmeln sich um Bar und Sitzgelegenheiten. Ein weiteres Phänomen: man sitzt auf der Tanzfläche, tanzen tut man hier nicht und mitgesungen wird schon mal gar nicht . Um Letzteres zu vermeiden wird die Musik nach Höreranzahl bei Lastfm ausgewählt, denn alles was über 50 Hörer hat ist nicht mehr hip. Meine Vermutung war zeitweise sogar, dass der DJ die Lieder selbst nicht kannte, so hip waren sie. Das würde zumindest seine grottigen Übergänge erklären.
So saßen wir nun also zwischen den hippen Strickpulli Freunden bei gefühlten 40°C in der verrauchten Bar und je später es wurde, desto mehr Pärchen kristallisierten sich heraus. Die völlig betrunkene Alte mit dem verkappten Skater, Harry Potter mit dem Mädchen mit dem lächerlichen Hut, Pullunder Boy und das Wesen mit der überdimensional großen Brille. Jedem Topf seinen Deckel, wenigstens für eine Nacht. Ein schaurig schönes Spektakel, ein bisschen wie ein Autounfall. Man kann einfach nicht wegschauen. Irgendwann packte dann auch noch ein Hobbyfotograf seine Spiegelreflexkamera aus und begann die hippe Partycrowd zu fotografieren. Eine Fotoreihe von jungen Menschen in Strickpullis oder Tshirts mit Wölfen oder geometrischen Figuren bedruckt, die völlig emotionslos in die Kamera starren. Hier hat man keinen Spaß, hier ist man um zu sehen und gesehen zu werden. Simple as that.
Ich hatte meinen Teil nach wenigen Stunden erfüllt, hatte genug gesehen und hoffte in der dunklen Ecke kaum jemandem aufgefallen zu sein. Auf dem Weg zur Tür sprach mich dennoch jemand an. Hemd, Pullunder, Brille, verwüstete Frisur, Jutebeutel - hipster as fuck! Er wäre ja jetzt auf dieser hippen Party und wo er schon mal da wäre, da wollte er auch wen kennenlernen. Ob ich nicht vielleicht Interesse hätte.
Leider nein, leider gar nicht.

Kommentare:

  1. natürlich machen wir das noch. ich bestehe darauf :)
    vielleicht schaffen wir es ja sogar noch dieses jahr!

    und btw: ich liebe dich für diesen text! so passend hat es noch kein anderer formuliert. wie lächerlich ich diese ganzen coolen kids finde. tzz. hauptsache vintage, jeanshemd und jutebeutel.

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  2. haha genial, ich kann mareen nur zustimmen :D

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  3. sehr schön geschrieben :)

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